der zauber des gedruckten bildes
Warum drucken wir eigentlich Fotos? Oder vielmehr möchte ich fragen, warum drucken wir sie eigentlich nicht mehr? Ich habe das Gefühl, die Situationen, in denen wir zum Beispiel bei Treffen mit Verwandten über alte Bilder sprechen, werden weniger. Haben die Handy’s und Social Media uns wirklich die Freude daran genommen, uns bewusst bestimmte Fotos anzusehen? Nur, dass wir jederzeit tausende Fotos in unseren mobilen Galerien anschauen könnten, heißt nicht, dass wir das auch wirklich tun. Im Gegenteil sogar. Ich habe eher den Eindruck, dass wir nahezu vergessen, in welchen Situationen wir überhaupt uns danach gefühlt haben, ein Erinnerungsfoto zu schießen. Irgendwie komisch, sollte dieses Foto doch eigentlich die Stütze dafür sein.
Stattdessen landet es in unseren Handygalerien, dann in unserem Hinterkopf und schließlich, eher schneller als langsam, in Vergessenheit.
Man hört es ja immer wieder an allen Ecken und Kanten: “Früher war alles besser.” Ich kann das nicht gut beurteilen, dafür bin ich wohl zu jung, aber auch mir ist aufgefallen, dass Fotos heute eher einen digitalen, ideellen Wert haben. Schließlich fotografiere ja auch ich digital. Dass ein Foto für jemanden sehr wertvoll sein kann, habe ich schon wirklich lange nicht mehr gehört. Höchstens noch wenn man Fotos der Familie wie einen kleinen Schatz behandelt, weil man eben nur diesen einen Abzug hat, aber dass heutzutage noch jemand durch die Gegend läuft und hie und da erzählt, welchen Wert ein Foto, dass man jederzeit neu drucken könnte, für ihn hat, ist eher die seltene Ausnahme als die Regel. Woran liegt dann aber meine eigene Faszination für das gedruckte Foto?
Bei meinen Großeltern gab es häufig Fotoabende. Dabei haben wir die Sessel beiseite geschoben und stattdessen an deren Platz eine Leinwand aufgebaut, auf die mein Opa seine alten Dias projizierte. Ton gab es nicht, die passenden Geschichten wurden einfach erzählt. Verständlich, der Fotograf stand ja schließlich hinterm Projektor.
Zu jedem Foto gab es eine Geschichte und rückbetrachtet habe ich wahrscheinlich dort schon gemerkt, dass jeder Augenblick es wert ist, festgehalten zu werden. Philosophen würden mir da vermutlich recht geben.
An nicht jeden Augenblick können wir uns dabei gut erinnern, genau aus diesem Grund ist ein Foto doch so spannend. Es zeigt uns das, was mal war. Ja, das kann ein Video auch, vielleicht sogar noch besser, aber kann ich ein Video nicht bei mir tragen oder an meine Wand hängen. Um ein Video zu sehen, brauche ich Technik, und ehrlich gesagt, ich bin etwas “technikmüde”. Und das sage ich als junger Mensch, obwohl uns das richtige, technische Zeitalter mit dem Siegeszug der KI vermutlich erst noch bevorsteht. Da bin ich aber mal gespannt. Ich bin davon überzeugt, dass zumindest zu meinen Lebzeiten, keine KI den Fotografen vor Ort an den Menschen und am Zeitgeschehen ersetzen kann. Also hab ich da schon einmal Glück gehabt! Puh. Naja, geht so. Ich versuche Fotos zu verkaufen, von Situationen, die ich real erlebt habe, digital fotografiert habe, und gerne durch den Druck in eine physische Form fassen möchte, damit anderen einen Hauch dessen miterleben können. Und das alles versuche ich in Zeiten, in denen man mit einigen wenigen Promts ein vielleicht sogar noch besseres Ergebnis erstellen kann. Warum mache ich es dann? Habe ich zu viel Zeit oder bin ich einfach nur naiv? Ich glaube die Sache geht tiefer. Ich glaube tatsächlich an die Wertigkeit und die Kraft eines Fotos und wenn es mich länger als fünf Sekunden begeistern kann, ist es für mich ein gutes Foto. Eines, das man dann auch drucken sollte. Ich möchte mich als Mensch doch eigentlich nur mit Sachen umgeben, die mich begeistern. Und gute Foto gehören für mich dazu. Und wenn mich ein Foto begeistert, dann kann es andere auch begeistern. Im Kleinen sieht man diese Form der Begeisterung schon wenn man aufmerksam auf die Leute achtet, die in bekannten Drogerieketten an den Sofortbildautomaten Fotos drucken. Meist Bilder zum Verschenken als Mitbringsel oder als Urlaubserinnerung, meist in niedriger Qualität und mit Farbstich, doch das alles ist vollkommen egal, wenn das Unperfekte eigentlich das Perfekte ist (An dieser Stelle belasse ich es dabei, ich widme dem Thema einen eigenen Blogbeitrag).
Die Freude auf der Seite der Beschenkten ist dann noch einmal etwas größer als die von denen, die die Fotos vorfreudig mitbringen. Also könnten wir eigentlich festhalten, Freude an gedruckten Fotos gibt es doch noch irgendwie. Das wäre ja auch schade, wenn nicht. Denn heutzutage fotografieren wir ja schließlich mehr als je zuvor, nur highlighten wir die Highlights weniger. Ihr versteht schon, was ich damit meine. Die denkwürdigsten Momente unseres Lebens sollten eigentlich zumindest in einem selbstgemachten Fotobuch landen und die richtigen Highlights eigentlich immer in so groß wie es nur geht an der passenden Wand.
Warum begeistern wir uns so sehr für Malereien aus der Kunstgeschichte? Die Mona Lisa von Leonardo da Vinci ist das teuerste und zugleich berühmteste Gemälde der Welt. Es ist hunderte Jahre alt, noch gut erhalten und dokumentiert die einzigartigen Fähigkeiten eines herausragenden Künstlers. Was wäre aber gewesen, hätte da Vinci nicht auf Holz gemalt, sondern digital? Ich weiß, der Vergleich ist schwer, aber bitte einfach mal kurz zulassen. Das berühmteste Bildnis der Welt, wäre vielleicht nie von so vielen Menschen gesehen worden oder hätte die Jahre überdauert. Wir sprechen hier von einer Zeit, in der Künstler ausschließlich physisch arbeiten konnten. Die tollsten Gemälde wurden übermalt, weil man auf ein noch besseres hoffte und man wählte den Einsatz seiner Materialien noch bewusster, weil man nichts an schlechte Kunst verschwenden wollte. Hätte da Vinci die Mona Lisa auch drucken lassen, wenn sie kein Gemälde sondern ursprünglich ein Foto gewesen wäre? Vermutlich, weil er an das Motiv und die Aussage dahinter glaubte und darauf hoffte, dass ihr Betrachten andere begeistern könnte. Dem selben Denkprozess stellt sich ein Fotograf, wenn er durch sein Portfolio klickt und die Fotos für den Druck auswählt, die ihn selbst begeistern und von denen er glaubt, dass ein potenzielles Publikum es ihm gleichtun könnte.
Genauso sollten wir auch im Privaten durch unsere Erinnerungsfotos klicken und dabei immer daran denken, dass sich auch in diesen kleinen Galerien etliche Mona Lisas befinden, die es wert sind, zumindest bewusst in einem Fotoalbum beieinander zu haben. Nicht jedes dieser Fotos ist auch für den großflächigen Druck und die Präsentation an der Wand geeignet.
Aber genau für diesen Fall habe ich mir die Zeit genommen und Euch meine Mona Lisas in meinem Print-Shop eingestellt. Ich bin mir sicher, Ihr findet dort etwas, was Euch den Zauber des gedruckten Bildes wieder näher bringt.